100 Jahre Schwarzensteinhütte
1894 - 1994

Wege

Instandhaltungsarbeiten

Allerlei Interessantes

1978

 

Nach dem 2. Weltkrieg

1. Farbpostkarte 

Bewirtschaftung

1950

 

Der König von Sachsen
auf der Schwarzensteinhütte

Besucher 

1972


Die Sektion Leipzig des DOEAV
feierte im Jahre 1894
das 25. Jahr ihres Bestehens;
aus diesem Anlaß erbaute sie 

im gleichen Jahre die
Schwarzensteinhütte 

in den Zillertaler Alpen, 
auf der Südostseite 
des Schwarzensteins.
 


Für das aus Stein aufgeführte, zweistöckige Haus legten die Leipziger großzügige Maßstäbe an, und die ausgesetzte Lage - auf dem Felsenplateau am Beginn der Trippachschneide, die den Rotbachgletscher vom Trippachgletscher trennt, stellte die Erbauer und den Baumeister Eppacher aus St. Johann gleich schon in den ersten Jahren vor größere Schwierigkeiten, da gerade in dieser Gegend die Witterungsverhältnisse nicht gerade die günstigsten sind, und der Zustieg vom Ahrntal, von der Berliner- oder von der Greizer Hütte an den Bergsteiger hohe Anforderungen stellt. Die Lage der Hütte ist aber beeindruckend: bei schönem Wetter reicht das Auge vom Großvenediger über die Dreiherrenspitze und Rötspitze zum Hochgall, Wildgall und Schneebigen Nock; aber auch alle namhaften Dolomitengipfel vom Monte Cristallo bis zum Massiv des Schlerns belohnen das Auge des Besuchers. Von Norden her reichen die Firnhänge des Schwarzensteins, der Floitenspitzen und des Großen Löfflers bis unmittelbar an die Schutzhütte, aus dessen Fenstern man direkt in die tiefen Gletscherspalten des Trippachgletschers blickt. Unvergeßlich ist bei schönem Wetter der Sonnenaufgang an der Hütte, der die Frühaufsteher bei schönem Wetter belohnt. Mehrere Dreitausender sind von der Schwarzensteinhütte in kürzester Zeit erreichbar: Schwarzenstein (3.368 m), Großer Mörchner (3.270 m), Westliche Floitenspitze (3.195 m), der Aufstieg auf den großen Löffler (3.378 m) über das von riesigen Spalten zerrissene, mächtige Floitenkees wird für alle Bergsteiger zu einem unvergeßlichen Erlebnis. Für Wanderer von Hütte zu Hütte ist der Übergang zur Greizerhütte im Floitental, die Überschreitung des Schwarzensteins zur Berliner Hütte oder der herrlich angelegte Stabeler Höhenweg zur Neves-Joch-Hütte (ehem. Chemnitzer Hütte) zu empfehlen.



 

Zur Geschichte

Wege

Zurück zur Auswahl

Der Aufstieg von Luttach im Ahrntal wurde von der Sektion Leipzig jedes Jahr verbessert und teilweise neu angelegt, da Wegteile von Lawinen und Steinschlag oft gänzlich zerstört wurden. Es wurde sogar an eine hundert Meter hohe und 30 - 40 m lange Brücke über die Schwarzenbachklamm gedacht, denn
Immer größere Probleme entstanden bei der Querung des Rotbachgletschers unterhalb der Hütte. Schon im Jahre 1898 wurde an einen Zustieg durch "eine Schneerinne auf die Trippachschneide und dann immer auf dem Grat bleibend" zur Hütte gedacht. Diese Möglichkeit wurde aber wieder verworfen, da sie zu schwierig und nicht sicher war. Auch der Aufstieg durch das Trippachtal zum Trippachgletscher
wurde von der Sektion nicht bewilligt, obwohl er für "Touristen, welche aus Prettau kommen", der kürzeste Anstieg zur Hütte gewesen wäre. Im Jahre 1901 findet man im Bericht des Hüttenwartes Wolfgang Dietrich folgenden Hinweis:
Um den Bergführern den Weg von der Berliner Hütte über den Schwarzensteingletscher auch bei schlechten Witterungsverhältnissen zu ermöglichen, wurden schon im Jahre 1895 Stangen aufgestellt:

Instandhaltungs-, Umbau- und Renovierungsarbeiten 
in den Jahren 1896 - 1913

Zurück zur Auswahl

In den ersten Jahren wurde die Schwarzensteinhütte immer wieder vom Blitz getroffen, dabei wurde aber glücklicherweise nur die Blitzableiteranlage beschädigt: Schon im Jahre 1898 mußte die Nord- und Ostwand verschindelt werden: Im Jahre 1901 wurde die Süd- und Westwand verschindelt. Ausbesserungs- und Umbauarbeiten waren auch in der Hütte jedes Jahr an der Tagesordnung: Das Touristenzimmer wurde mit dem im Erdgeschoß liegenden Schlafzimmer durch eine Tür verbunden, der Pritschenraum (Matratzenlager: 9 Schlafplätze) - trotz des billigen Preises sehr wenig in Anspruch genommen - wurde verkleinert und ein Teil zu einem Schlafzimmer umfunktioniert.
 

Im Jahre 1903 wurden zwei Klosettbecken mit Wasserspülung aufgestellt ("... haben den großen Übelstand des üblen Geruches und Zugwindes etwas abgeholfen ...") das Führerschlafzimmer, der Raum für die Wirtschafterinnen und der Pritschenraum wird auf den Dachboden verlegt und dieser ausgebaut, Heizöfen in zwei Schlafzimmern aufgestellt, und 21 neue Fensterläden aus starkem Holze mit soliden Beschlägen und festen Riegeln angebracht (1905).
 

Im Jahre 1913 wurde die Anbringung von 22 Doppelfenstern empfohlen, um Brennmaterial zu sparen, eine Ölfeuerung ins Auge gefaßt ("leicht transportables Heizmaterial"); außerdem mußte immer wieder das Dach ausgebessert werden:


Bewirtschaftung

Zurück zur Auswahl

Dieser Umstand veranlaßte deshalb auch die Sektion, die Bewirtschaftung an Lina Reden und deren Bruder Martin, die auch schon vorher für die Betreuung der Besucher sorgten und dafür eine Enschädigung von jährlich je 100 fl. erhielten, vertraglich zu übertragen. Der Bergführer Martin Reden hat die Hütte bis 1914 mit 2-3 Wirtschafterinnen geführt,

 

Besucher

Zurück zur Auswahl

Das Wetter in den Jahren 1895 bis 1913 war nicht gerade das Beste und so blieb der erhoffte Besucherandrang unter den Erwartungen. Immer wieder mußte die Sektion Leipzig Zuschüsse gewähren, da die Gelder aus der Hüttenkasse die großen Unterhaltskosten für die Hütte nicht deckten. In den ersten Jahren besuchten die Hütte zwischen 500 und 800 Personen pro Saison, die höchste Besucherzahl erreichte die Hütte im Jahre 1911

Allerlei Interessantes

(aus den "Veröffentlichungen der Section Leipzig: 1895 - 1913")

Zurück zur Auswahl

Nach dem 2. Weltkrieg

Zurück zur Auswahl

Nach dem 2. Weltkrieg befand sich die Schwarzensteinhütte in einem fürchterlichen Zustand. Alle Fensterscheiben waren eingeschlagen, die Räumlichkeiten zu Beginn des Sommers voll Schnee, Matratzen und Decken sowie andere Einrichtungsgegenstände gestohlen bzw. beschädigt. Damals war es der Bergführer Kröll Adolf aus Luttach und Bonitti aus Sand in Taufers, die von der Sektion Vittorio Veneto beauftragt wurden, die Schwarzensteinhütte wieder zu bewirtschaften. Tagelang arbeiteten Adolf mit Knoll Hiasl aus dem Tale auf der Hütte, schaufelten die Hütte frei und reparierten die ärgsten Schäden. Die Sektion Vittorio Veneto, die damals kaum Geld hatte, lieferte gegen Ende des Sommers Glasscheiben für die Fenster und Decken für die Lager. Die Hütte wurde kaum von Bergsteigern besucht; über die Runden kamen die beiden Idealisten nur dadurch, daß sie die Hütten auf der österreichischen Seite mit Wein und Schnaps belieferten, oder bei schönem Wetter auf den Schwarzenstein stiegen, um den wenigen Bergsteigern ein Glas Wein anzubieten. Die Alpini brachten einmal Brenn- und Bauholz bis zum Beginn des Gletschers, von wo aus von den Bewirtschaftern in mühevoller Arbeit auf die Hütte gebracht wurde. Adolf Kröll verdiente sich eine Kleinigkeit durch Führungen auf die umliegenden Gipfel und davon wurden der Eigenbedarf an Lebensmittel bezahlt. Im darauffolgenden holte Bonitti eine junge Frau aus Moritzen bei Sand in Taufers als Köchin auf die Hütte, aber immer noch blieb der erhoffte Besucherstrom aus, sodaß Bonitti die Hütte Adolf Kröll überließ und von Sand in Taufers wegzog. Adolf wurde dann von der Sektion offiziell als Hüttenwirt eingesetzt und führte dann noch zwei Jahre lang mit seiner späteren Frau Marie die Hütte. Es kamen etwas mehr Besucher, hauptsächlich einige Alpenvereinsgruppen und das Geschäft lief etwas besser, sodaß Adolf seine Hochzeit finanzieren konnte.

1950

Zurück zur Auswahl

Im Jahre 1950 versuchte dann Pepi Lanzinger sein Glück, er überließ dann aber die Hütte der aus Prettau stammenden "Wieser" Anna (Notdurfter). In den darauf folgenden Jahren nahm die Zahl der Besucher zu, drei Träger aus dem Tale versorgten regelmäßig die Hütte mit dem Notwendigsten, es gab Pasta, Schnitzel, Suppen und Braten; der Wein wurde in Korbflaschen zur Hütte geliefert und Rum zum Tee gab es auch. Hauptsächlich Ärzte, Advokaten, Industrielle und Studenten kamen an der Hütte vorbei und alle waren begeistert von der großartigen Aussicht. Im ersten Jahr waren es an die 400 Übernachtungen und im darauffolgenden Jahre etwas mehr. Zu verdienen aber war sehr wenig, obwohl an die Sektion kein Pachtzins bezahlt werden mußte. Die Hütte übernahm dann der "Wieser" Hansa (Bruder der Anna) und führte sie dann mit Mayr Franz ("Pfeifer Schneider") zwei Jahre lang. Von 1955 bis 1964 wurde die Schwarzensteinhütte von letzterem bewirtschaftet, Gehilfe war Pipperger Adolf und Köchin Mairhofer Paula. Mit Wehmut mußte im Jahre 1964 die Hütte wieder an das Militär abgetreten werden, das in den darauffolgenden Sommern die Staatsgrenze kontrollierten. Vieles gäbe es auch aus dieser Zeit zu berichten.

1972

Zurück zur Auswahl

Im Jahre 1972 wurde die Hütte vom Militär zur Bewirtschaftung wieder freigegeben, sie befand sich aber in einem erbärmlichen Zustand: ein Großteil der Schindeln an der Süd- und Westseite wurde vom Militär verheizt, Fenster, Türen und die verschiedenen Einrichtungsgegenstände waren beschädigt, und die Materialseilbahn, die vom Militär zur Versorgung aufgestellt worden war, wurde wieder abgebaut.. Zwei junge Burschen aus Sand in Taufers übernahmen dann die Führung der Hütte, setzten sie notdürftig instand und überließen sie nach zwei Jahren dem aus Gsies stammenden Lehrer Dr. Alfred Niederhofer. An baulichen Veränderungen bzw. Verbesserungen tat sich sehr wenig: die Sektion Vittorio Veneto hatte dafür nicht das Geld und der Ertrag reichte gerade aus, um die Hütte vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Es mußte sogar ein Pachtzins an die Sektion errichtet werden.

1978

Zurück zur Auswahl

Im Jahre 1978 verhandelte Günther Knapp mit der Sektion Vittorio Veneto und übernahm mit seinem Freund Hans Leiter und dem Holzfäller Rudl Niederkofler aus dem Ahrntal die Bewirtschaftung, im Jahre 1979 überließ die Sektion Vittorio Veneto dann die Schwarzensteinhütte dem CAI Bruneck unter der Bedingung, daß der Name "Rifugio Vittorio Veneto" beibehalten wird. In den Jahren 1979 bis heute wurden dann laufend Verbesserungen während der Sommermonate durchgeführt und heute steht die Hütte wiederum in gutem Zustand auf einem Platz, der sich hervorragend für die Besteigung herrlicher Dreitausender und dient dem Wanderer von Hütte zu Hütte als Unterkunft.